Der Energieverbrauch in Deutschland wird in diesem Jahr deutlich zurückgehen und voraussichtlich eine Höhe von 13.411 Petajoule (PJ) beziehungsweise 457,6 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten (Mio. t SKE) erreichen. Nach vorläufigen Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AG Energiebilanzen) beträgt der Rückgang voraussichtlich knapp 5 Prozent. Den größten Einfluss auf die Verbrauchsentwicklung hatte im abgelaufenen Jahr die milde Witterung, was den Bedarf an Wärmeenergie deutlich verminderte.
Die Entwicklung des Primärenergieverbrauchs in Deutschland 1990 - 2011
in Petajoule (PJ). Der Energieverbrauch in Deutschland verzeichnet seit 1990 im Trend eine rückläufige Tendenz. 2009 fiel der Verbrauch infolge der Konjunkturkrise auf den niedrigsten Stand seit Anfang der 1970er Jahre. 2010 erholte sich der Verbrauch bei kälterer Witterung im Rahmen des Konjunkturaufschwungs. 2011 sank der Verbrauch vor allem infolge der wärmeren Witterung noch leicht unter das Niveau von 2009. Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen
Einen weiteren wesentlichen Einflussfaktor bildeten 2011 die hohen
Energiepreise. Ein zusätzlicher statistischer Effekt ergibt sich aus dem Rückgang der Kernenergie
und dem Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sowie Kraftwerken
mit hoher Effizienz. Bereinigt um Temperatureffekte wäre der Energieverbrauch 2011 nur
um ein Prozent gesunken
Der
Mineralölverbrauch betrug im abgelaufenen Jahr 4.549 PJ (155,2 Mio. t SKE) und
sank damit auf das niedrigste Niveau seit 1990. Gegenüber dem Vorjahr verminderte sich der
Verbrauch um 3 Prozent. Zuwächse ergaben sich ausschließlich beim Diesel, dessen Absatz
konjunkturbedingt um 2 Prozent anstieg. Otto- und Flugkraftstoffe lagen dagegen leicht im
Minus. Besonders stark stockte die Nachfrage nach Heizöl. Der Absatz an leichtem Heizöl
lag um 15 Prozent unter dem des Vorjahres und beim schweren Heizöl gab es ein Minus von
3 Prozent. Neben der milden Witterung sorgten insbesondere der kräftige Preisauftrieb im
Jahresverlauf für Kaufzurückhaltung bei den Verbrauchern.
Der
Erdgasverbrauch blieb 2011 um gut 10 Prozent hinter dem Wert des Vorjahres
zurück und erreichte eine Höhe von 2.760 PJ (94,2 Mio. t SKE). Obwohl sich die Konjunktur
positiv auf den Gasabsatz auswirkte, sorgten die im Vergleich zum Vorjahr nahezu durchgängig
höheren Temperaturen für einen rückläufigen Absatz im Wärmemarkt. Der Einsatz
von Erdgas in Kraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung stabilisierte sich im zweiten
Halbjahr nach einem deutlichen Rückgang in der ersten Jahreshälfte; insgesamt blieb er
unter dem Vorjahresniveau.
Beim Verbrauch von
Steinkohle gab es 2011 ein leichtes Minus von 0,7 Prozent. Insgesamt
wurden 1.685 PJ (57,5 Mio. t SKE) verbraucht. Der Einsatz von Steinkohle in Kraftwerken,
auf den mehr als zwei Drittel des Gesamtverbrauchs entfallen, nahm um rund 2 Prozent ab.
Die Stahlindustrie hingegen steigerte ihren Bedarf um rund 4 Prozent. Die Lieferungen an
den Wärmemarkt waren witterungsbedingt rückläufig.
Der Verbrauch an
Braunkohle stieg um knapp 4 Prozent auf 1.568 PJ (53,5 Mio. t SKE).
Der Zuwachs spiegelt die positive Entwicklung bei den Lieferungen an die Kraftwerke wider,
an die rund 90 Prozent der inländischen Braunkohlegewinnung gehen. Zuwächse gab es
auch bei den Veredlungsprodukten.
Die
Kernenergie verminderte ihren Beitrag zur Energiebilanz infolge des Ausstiegsbeschlusses
im Jahresverlauf um knapp 23 Prozent. Die
erneuerbaren Energien legten 2011 insgesamt um 4,1 Prozent zu. Mit einem Beitrag von 1.449 PJ (49,4 Mio. t SKE) steigerten sie ihren Anteil am Energieaufkommen auf knapp 11 Prozent. Besonders stark stiegen die Beiträge der Windkraft (+22 Prozent ) und der Fotovoltaik (+67 Prozent). Die Nutzung von Biogas stieg um 21 Prozent. Demgegenüber sanken die Beiträge der Wasserkraft (ohne Pumpspeicher) um 9 Prozent und der der Biokraftstoffe um 8 Prozent. Die Fotovoltaik leistete 2011 mengenmäßig erstmals einen größeren Beitrag zur Energiebilanz als die Wasserkraft.
Der Stromaustauschsaldo mit den europäischen Nachbarländern weist Ende 2011 noch
einen leichten Ausfuhrüberschuss in Höhe von 5 Terawattstunden (TWh) auf. Hinter dieser
Entwicklung verbirgt sich eine deutliche Zunahme der Stromimporte, bei gleichzeitiger
Abnahme der Stromexporte.
Energiemix verändert sich
Die 2010 und 2011 verabschiedeten energiepolitischen Beschlüsse zur Förderung der
erneuerbaren Energien und zum Austieg aus der Kernenergie schlagen sich in der Primärenergiebilanz des abgelaufenen Jahres in Form leicht geänderter Anteile nieder. Allerdings
haben auch Witterung und Bestandseffekte Einfluss auf die Struktur des Primärenergieverbrauchs.
Wichtigster Energieträger bleibt auch 2011 das Mineralöl mit einem Anteil von 33,8
Prozent. Es folgt das Erdgas, dessen Anteil leicht auf 20,6 Prozent zurückgeht. Die Steinkohle
erhöht ihren Beitrag zum Energiemix auf 12,6 Prozent und die Braunkohle kommt auf einen
Anteil von 11,7 Prozent. Die Kernenergie vermindert sich auf 8,8 Prozent. Die Erneuerbaren
erhöhen ihren Beitrag zum Energiemix auf 10,8 Prozent. Auf sonstige Energietäger und den
Stromaustauschsaldo entfallen 1,7 Prozent.
Weniger Kohlendioxid
Infolge des rückläufigen Energieverbrauchs vermindern sich die energiebedingten CO2-Emissionen um mehr als 3 Prozent. Bereinigt um den Temperatureffekt wäre der CO2-Ausstoß
um etwa ein Prozent gestiegen.